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Ein Haus.
Viele Jahrhunderte.
Neue Geschichten.

Der Adler ist weit mehr als ein ehemaliger Gasthof. Seine Mauern, Balken und verborgenen Spuren erzählen von mehreren Jahrhunderten Bremgarter Stadtgeschichte.

Wer von der Holzbrücke in die Bremgarter Altstadt kommt, begegnet ihm als einem der ersten Häuser: dem ehemaligen Gasthof Adler am Bogen 20. Seine Lage direkt am historischen Brückenkopf ist kein Zufall. Teile des Gebäudes reichen vermutlich bis ins Mittelalter zurück – und in seinen Mauern könnten sich sogar Überreste der alten Stadtbefestigung und des Inneren Reusstors verbergen.

Die bauarchäologische Untersuchung durch die Kantonsarchäologie Aargau hat gezeigt, dass der Adler nicht in einem einzigen Bauabschnitt entstanden ist. Über viele Jahrhunderte wurde das Haus erweitert, umgebaut und immer wieder an neue Bedürfnisse angepasst. Mauern, Balken, zugemauerte Türen und Spuren alter Malereien erzählen von Stadtbränden, Wiederaufbau, Wohnen, Arbeiten und Gastlichkeit.

Vom Stadttor zum Bürgerhaus

Um 1300 entstanden am Brückenkopf vermutlich die Stadtmauer und das Innere Reusstor. Die Archäologinnen und Archäologen gehen davon aus, dass die mächtige Südmauer des heutigen Gebäudes Teil dieser Stadtbefestigung war. Auch die Ostmauer könnte einst zur Westwand des Torturms gehört haben. Eine heute zugemauerte Spitzbogentüre erinnert noch an diese frühe Zeit.

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde an die Stadtmauer ein erstes Gebäude angebaut. Wie dieses genau aussah, ist noch nicht abschliessend geklärt. Wahrscheinlich bestand es teilweise aus Holz – wie viele Häuser im mittelalterlichen Bremgarten.

Stadtbrände und Wiederaufbau

Die Unterstadt wurde in den Jahren 1382 und 1434 von schweren Stadtbränden getroffen. Auch der Vorgängerbau des heutigen Adlers dürfte davon betroffen gewesen sein. Einige erhaltene Balken stammen aus der Zeit unmittelbar nach dem Brand von 1382. Weitere Hölzer konnten auf die Jahre 1429 bis 1434 datiert werden und gehören vermutlich zum anschliessenden Wiederaufbau.

Besonders eindrücklich sind die im ersten Obergeschoss erhaltenen Malereireste aus dem 15. Jahrhundert. Auf Deckenbalken und Brettern finden sich rote Wellenlinien, Kringel und Punkte sowie stilisierte Blumen. Auch Teile einer ehemaligen Küche mit einer Vorrichtung zum Räuchern haben die Jahrhunderte überdauert.

Der grosse Umbau von 1695

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts erhielt das Haus weitgehend seine heutige Grösse. Das zweite Obergeschoss wurde vollständig ausgebaut und ein neuer Dachstuhl errichtet. Im Innern entstanden grosse, durch Fachwerkwände unterteilte Räume. Reste rot-gelber Wandmalereien geben einen kleinen Einblick in die damalige Gestaltung.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude immer wieder angepasst und repariert. Neue Balken, Türen und Fenster kamen hinzu – stets unter Einbezug der bereits vorhandenen Bausubstanz.

Seit 1823 ein Gasthaus

Ein weiterer bedeutender Umbau erfolgte um 1823. Räume wurden neu unterteilt und die spätere Gaststube verändert. Diese Arbeiten stehen möglicherweise im Zusammenhang mit der Einrichtung des Gasthauses «Adler». Damit begann ein neues Kapitel: Aus dem über Jahrhunderte gewachsenen Bürgerhaus wurde ein Ort der Gastlichkeit.

In den 1970er-Jahren wurde das Gebäude umfassend renoviert und als Hotel und Restaurant weitergeführt. Seit 2015 stand der Adler leer.

Die Geschichte geht weiter

Mit der heutigen Sanierung wird der Adler erneut an eine neue Zeit angepasst. Dabei geht es nicht darum, das Haus in einen früheren Zustand zurückzuversetzen. Vielmehr sollen seine historischen Spuren bewahrt, sichtbar gemacht und mit einer neuen Nutzung verbunden werden.

So entsteht aus einem jahrhundertealten Haus wieder ein lebendiger Ort: mit Café, Boutique-Hotel, Kultur, Arbeiten und Wohnen – und mit Raum für neue Geschichten.